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Das Hören malen – Die Jazz-Bilder von Arvo Wichmann

You’ll get what you see!”, heißt es. Doch was bekommt man beim Blick auf die Bilder von Arvo Wichmann? Sie zeigen Miles Davis, Ella Fitzgerald, Nils Landgren und andere Ikonen des Jazz. Man bekommt die Abbilder, in bunten Farben gemalt, nicht die Stars, nicht ihre Musik. Nun gründet die besondere Qualität eines Gemäldes eben darin, dass es nicht mit der Realität zu verwechseln ist. Das Bild einer Pfeife ist halt keine Pfeife. Und deshalb kann die Täuschung des Auges durch die Malerei auch nicht ihre vordringliche Aufgabe sein – selbst wenn man beim ersten Blick auf die Bilder Wichmanns sich des (falschen) Eindrucks nicht erwehren kann, sie würden nicht mehr zeigen als es eine simple Fotografie auch könnte.
Kunst kann eben mehr, und dieses Plus setzt Wichmann in seiner Handschrift um, wenn er mit Konzentration und mit dem Willen zu Farbe und Form ans Werk geht. In der Detailgenauigkeit des Farbauftrags, in der konzentrierten Arbeit an der Form ist denn folglich auch der Schlüssel zum Verständnis seiner Bilder zu suchen. Denn die konzentrierte Gestik seines Handwerks verweigert sich der Flüchtigkeit eines nur allzu vergänglichen Seins. Der Fotograf mag den Moment einfangen, die Malerei verleiht dem Moment Sinn, indem er ihm Dauer verleiht. Zu sehen ist das insbesondere beim Blick auf eines der Triptychons, auf dem der Posaunist Nils Landgren in gleich drei Ansichten zu sehen ist. Was in der Realität nur Sekunden dauerte, hat Wichmann der Vergänglichkeit entrissen und einem Weiterleben in der Kunst zugeführt.
Die Geste, die Zeit spendet, gilt dabei Musikern, die ihr eigenes Verhältnis zur Zeit haben. „Take Your Time“, heißt es bei ihnen, deren Musik vom Spiel mit der Zeit, dem Rhythmus, arbeitet. Diese Musiker zu porträtieren, sie ins Bild zu rücken, heißt auch, Menschen ein Gesicht zu geben, die ansonsten hinter der Musik zurückstehen. Wichmanns Arbeit am Menschenbild rechnet dabei mit Betrachtern, die um die Musik wissen, die zu den Gesichtern passt. Die Bilder leben mit dem Jazz der Abgebildeten und rücken durch ihre in geduldiger Konzentration ausgeübten Handarbeit des Malers wiederum Qualitäten des Jazz ins Blickfeld, die oftmals in Beschreibungen dieser Musik ins Hintertreffen geraten sind. Jazz mag wild und expressiv, innovativ, intellektuell und schwer verständlich sein, aber das ist eben nicht alles. Wesentlich besteht er eben auch aus der Fähigkeit zur Konzentration, der Liebe zum Detail, des Geduld-Habens und der Könnerschaft am Instrument. Wer diese Qualitäten im Jazz zu hören vermag, der sieht sie auch in der Kunst Arvo Wichmanns. Und wer sie in den Bildern sieht, vermag auch Jazz anders zu hören. You’ll see what you get.
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Harald Justin